
|| 22.06.2007 ||
Ernährung 2007
Vom 31. Mai bis 2. Juni fand in Innsbruck die 6. Dreiländertagung der AKE, der DGEM und der GESKES statt. Wir haben für Sie wichtige Informationen, Vorträge und Abstracts zusammengestellt.
Einer der Schwerpunkte in diesem Jahr war die Mangelernährung, die in mehreren Vortragsblöcken thematisiert wurde – teilweise sogar gleichzeitig in mehreren Räumen. In einer lebhaften Podiumsdiskussion wurde über die Eignung verschiedener Screening- Methoden und die personelle Zuständigkeit für das Ernährungsscreening debattiert. Am Ende waren sich die meisten Beteiligten einig, dass die Wahl des Instruments und die verantwortliche Berufsgruppe zweitrangige Fragen sind – Hauptsache es wird bei jedem Patienten bei Aufnahme ein Screening durchgeführt. Interessanterweise ist dies in holländischen Krankenhäusern seit Anfang des Jahres Pflicht – ansonsten drohen Kürzungen des Budgets!
Prof. Rémy Meier, Präsident der Gesellschaft für Klinische Ernährung in der Schweiz, betonte in seiner anschließenden Präsentation, dass es mit Screening allein natürlich noch nicht getan ist. Vielmehr müssen alle Beteiligten noch intensiver darauf achten, im Bedarfsfall dann auch adequate ernährungstherapeutische Maßnahmen zu ergreifen.
Wie angekündigt wurden auch erste Ergebnisse vom NutritionDay in Pflegeheimen präsentiert. Dr. Luzia Valentini von der Berliner Charité berichtete von fast 1500 erfassten Bewohnern in Deutschland – eine Zahl, die weit über den Erwartungen lag. Der BMI war bei 29 % der Bewohner geringer als 22 kg/m2. Kau- und Schluckstörungen, Kontrakturen und Dekubitus korrelierten sowohl mit dem BMI als auch mit Gewichtsverlusten der Bewohner. Trinknahrung kam bei 8 %, Sondennahrung bei 4 % und parenterale Ernährung bei 1 % der Probanden zum Einsatz. Auffällig war der große Anteil dementer Bewohner bei denjenigen mit Ernährungsproblemen. Erinnert wurde in diesem Zusammenhang an die Nacherhebung, die am 22. August – genau 6 Monate nach dem nutritionDay – stattfinden soll. An diesem Tag werden der Aufenthaltsort, das aktuelle Körpergewicht und zwischenzeitliche Krankenhausaufenthalte der Probanden erfasst und im Rahmen der weiteren Auswertungen dann mit dem anfänglichen Ernährungsstatus in Verbindung gebracht.
Am Samstag gab es dann eine ganze Reihe von Kurzvorträgen zur Ernährungssituation älterer Menschen, auch einige Poster waren diesem Thema gewidmet. Claudia Saeglitz vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn berichtete hier zum Beispiel über die weite Verbreitung von Mangelernährung bei gleichzeitig geringer Beachtung der Problematik. Obwohl im Rahmen einer Studie ca. ein Drittel der Patienten anhand verschiedener Methoden als mangelernährt eingestuft wurde, war dies bei nur 6 % der Patienten in der Akte vermerkt. Eine ernährungsmedizinische Intervention wurde bei lediglich 8 % der Patienten durchgeführt – am häufigsten kam Trinknahrung zum Einsatz (4 %), gefolgt von Sondenernährung (3 %) und parenteraler Ernährung (1,5 %).
Die Kurzfassungen der Präsentationen sind im jüngsten Heft der Aktuellen Ernährungsmedizin (Aktuel Ernaehr 2007; 32: 125-149) publiziert und derzeit über die Homepage des Thieme-Verlags im Internet frei zugänglich. Die einzelnen Präsentationen, Vorträge und Abstracts finden Sie direkt unter der Website der AKE-Nutrition.